Selbstverständnis-Entwurf

Auf der ganzen Welt sind Menschen von Herrschaft und Unterdrückung betroffen – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Während im globalen Süden viele um ihre Existenz bangen, werden hierzulande immer größere Teile der Bevölkerung ökonomisch und sozial ausgegrenzt. Und selbst wer ein einigermaßen komfortables Leben inmitten der Konsumgesellschaft führt, zahlt dafür mitunter einen hohen Preis: Konkurrenzkämpfe, Fremdbestimmtheit, Abhängigkeiten und psychische Krankheiten sind nur einige Beispiele.

Wir von der Gruppe A & O sind uns bewusst, dass wir ein Teil dieses globalen Systems sind, das auf Herrschaft beruht. Allen voran die kapitalistische Wirtschaftsordnung etabliert und verfestigt Macht- und Ausbeutungsverhältnisse. Überall müssen die Menschen etwas “leisten”, um ihre Grundbedürfnisse erfüllen zu können. Sie müssen den “natürlichen” Gesetzen des Marktes gehorchen. Sie können nicht frei entscheiden, wie sie leben wollen, weil das Ordnungsprinzip schon vorgegeben ist. Und diese Ordnung basiert auf Unterdrückungsmechanismen wie Sexismus, Rassismus, Klassismus oder Homophobie.

Als anarchistische Gruppe möchten wir diese Verhältnisse sichtbar machen, bekämpfen und abbauen. Wir wollen nicht nur kritisieren, sondern konstruktive Gegenvorschläge machen. Wir wollen selbst alternative Strukturen aufbauen und bestehende Projekte unterstützen. Gleichzeitig wollen wir als Gruppe immer wieder unsere eigenen Privilegien und unterschiedliche Ansätze kritisch reflektieren.

Wir brauchen eine neue Idee davon, wie wir unser Zusammenleben gestalten können, damit in Zukunft allen Menschen ein Leben in Würde und Freiheit ermöglicht wird. Dazu gehört unter anderem ein solidarisches Wirtschaftssystem, in der jeder bekommt, was er oder sie für ein gutes Leben braucht. Wir fordern Verteilungsgerechtigkeit statt
„Leistungsgerechtigkeit“!

Den Staat halten wir für ein autoritäres Konstrukt, das Privateigentum, kapitalistische Interessen und Grenzen gewaltsam verteidigt. Dem setzen wir eine autonome Organisationsform entgegen, in der Menschen freiwillige Vereinbarungen treffen. Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Dabei stehen immer die Freiheit und die Autonomie des Einzelnen im Mittelpunkt, die dort aufhört, wo die Freiheit des anderen beginnt.

Als Anarchist*innen haben wir kein fertiges Konzept in der Tasche, weil es ein solches gar nicht geben kann. Anarchistische Strukturen in einer befreiten Gesellschaft können von Kollektiv zu Kollektiv anders aussehen und einem ständigen Wandel unterworfen sein. Was wir haben, ist eine Vorstellung von einer solidarischen und gleichberechtigten Gesellschaft – und wir sind überzeugt, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Und wir haben noch viele offene Fragen, die wir gemeinsam und im Austausch mit anderen Gruppen diskutieren und in der Praxis beobachten wollen.

Wir sind ein Teil des Problems – aber wir sind auch ein Teil der Lösung!

(Stand: Januar 2016)

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